· 

... Cédric Wermuth (SP Nationalrat)

Markus @ Cédric am 29.09.2017

Hallo Cedric

 

Ich habe heute das Interview «Es ist nicht schlechter, wenn eine Frau zuhause bleibt» im Bund gelesen und finde es beeindruckend, wie sehr du und Regula Rytz da für die Rechte der Frau kämpft. In der Tat ist es so, dass wir im modernen Westen einen gewissen Rückstand haben, den es zu kompensieren gilt. Dennoch bin ich ein Verfechter von „Qualität vor Quantität“ und deshalb klar gegen irgendwelche Quoten.

 

Bei all deinem Engagement vermisse ich allerdings eine wichtige Komponente, für die es sich auch zu kämpfen lohnen würde: Männer werden seit jeher diskriminiert, wenn es um ihre Rechte als Vater geht. Sobald eine Ehe in die Brüche geht, wird mit dem heute geltenden Recht die Frau in jeglicher Hinsicht bevorteilt. Zwar gilt heute das gemeinsame Sorgerecht als Regelfall, kann jedoch jederzeit unter Angabe von (nicht nachvollziehbarer) Gründe ausgehebelt werden. Im Zweifel entscheiden die Behörden immer unter dem Vorwand „im Interesse und zum Wohl des Kindes“ gegen den Mann. Neben dem Besuchsrecht hat der Kindsvater fortan nun mehr Pflichten, und diese heissen in erster Linie „Unterhalt zahlen“. Dass damit oftmals der gesamte Unterhalt für das Kind und nicht etwa 50% davon gemeint ist, sollte hier tunlichst erwähnt werden. Diese Zahlungen mildern sich auch nicht, wenn die Kindsmutter eine neue Beziehung, eventuell gar mit der Gründung einer neuen Familie, eingeht. Im Gegensatz dazu wird das Einkommen des Vaters bis zur Volljährigkeit des Kindes in einer Art begrenzt, dass ein Neuanfang für ihn nur möglich ist, wenn er überdurchschnittlich gut verdient. Dazu kommt noch der Verzicht auf das Kind, wenn die Kindsmutter denn auf das Mindestmass an Besuchen beim Vater besteht (in der Regel alle 2 Wochen).

 

Es spricht nichts gegen dein Engagement für die Rechte der Frauen. Ich frage mich nur, warum dieses dein Engagement nur dem „schwachen“ Geschlecht gilt und nicht gleichermassen auch für deine Artgenossen, die Männer? Hier gäbe es nämlich mindestens genau so viel zu tun.

 

Beste Grüsse vom Bodensee

 

Markus Holzer



Cédric @ Markus am 02.10.2017

Lieber Markus,

 

besten Dank für deine eMail. Nun, ich denke die Geschlechterquote ist genau deshalb notwendig. Heute werden Männer bevorzugt, weil sie Männer sind. Weil sich das über Jahrhunderte als Normalfall herausgebildet hat. Um Normalität herzustellen braucht es eine gewisse Zeit eine vorgeschriebene Gleichberechtigung. Das ist übrigens die Erfahrung, die wir mit der Vertretung der Romands und der Tessiner im Bundesrat gemacht haben. Stünde das nicht in der Verfassung, kämen sie nie zum Zug.

Tatsächlich gibt es relativ viele Rückmeldungen seit dem neuen Familienrecht. Im Moment sind die Leute genau daran, die Gerichtspraxis etwas auszuwerten, resp. zu warten, bis es eine repräsentative Anzahl fälle gibt um zu schauen, wo noch justiert werden müsste. Wenn du genaueres wissen möchtest, müsste ich dich an unsere Spezialist*innen in der Rechtskommission verweisen.

 

Herzlich, Cédric 



Markus @ Cédric am 04.10.2017

Hallo Cédric

 

Besten Dank für deine rasche Antwort, da hast du einigen Bundesrätinnen und Bundesräten etwas voraus ;-)

 

Inhaltlich teile ich deine Überzeugung nicht, dass Romands und Tessiner ohne entsprechende Regelung in der Verfassung nicht in der Regierung vertreten wären. Und auch dieses Mal interessierte es eine Minderheit nicht, was in der Verfassung steht, sondern beharrte darauf, dass für Didier Burkhalter eine Frau nachrücken müsste. 18 Jahre ohne Vertretung im BR – trotz Verfassungsartikel – spricht ja wohl eine klare Sprache, findest du nicht? Abgesehen davon bin ich überzeugt, dass wir mit Ignazio Cassis die beste Option erhalten haben. Dass er auch noch ein Tessiner ist, freut mich zusätzlich für diese Region.

 

Zurück zum Familienrecht: Wenn Du schreibst, „die Leute sind daran“, würde mich interessieren, von welchen Leuten du sprichst. Eine Auswertung der Gerichtspraxis ist nicht repräsentativ, weil es sich viele Väter schlicht nicht leisten können, für Ihre Rechte vor Gericht zu ziehen. Ich selbst wollte vor einigen Jahren das gemeinsame Sorgerecht vor Gericht erstreiten. Die Antwort des Gerichts: Zahle einen Kostenvorschuss von CHF 1‘000, dann können wir weiterreden. Abgesehen davon habe ich DICH nach deiner persönlichen Einstellung zu diesem Thema gefragt, weil Du doch so für Gleichberechtigung kämpfst. Insofern bist du mir eine schlüssige Antwort schuldig geblieben. Vielleicht klappt’s ja beim zweiten Mal?

 

Beste Grüsse

 

Markus



Markus @ Cédric am 16.10.2017

Hallo Cédric

 

Am 4. Oktober habe ich dir auf deine Mail geantwortet, dann aber von dir leider keine Antwort mehr erhalten. Ich bin nach wie vor sehr an deinen ganz persönlichen Standpunkten interessiert. Ausserdem möchte ich gerne dein Angebot annehmen, mit meinen Fragen direkt an eure Spezialisten in der Rechtskommission zu gelangen. Danke für deine Unterstützung, ich freue mich von dir zu lesen.

 

Beste Grüsse

 

Markus



Cédric @ Markus am 16.10.2017

Lieber Markus,

 

besten Dank. Darf ich dich bitten, dich vorläufig mit der konkreten Frage an Claudio Marti, zuständiger Sekretär der Rechtskomission zu wenden (siehe Cc)?

 

Herzlich, Cédric



Markus @ Cédric am 18.10.2017

Lieber Cédric

 

Besten Dank für deine Info betreffs Ansprechpartner für meine Frage. Wie ich im letzten E-Mail geschrieben habe, hätte ich ausser einer Standortinformation auch deine persönliche Meinung dazu interessiert. Ich bedaure, dass du dies entweder überlesen hast oder aber bewusst ignorierst. Politiker werden für mich dann authentisch, wenn sie in der Lage sind, unabhängig von einem Parteiprogramm ihre eigenen Überzeugungen preiszugeben – auch wenn diese nicht mit den Positionen der Partei übereinstimmen. Wenn man diese nicht kommunizieren möchte, ist es immer noch besser es offen zusagen anstatt einfach darüber hinweg zu gehen. So zumindest halte ich es im Leben.

 

Beste Grüsse

 

Markus