· 

... Béatrice Wertli (CVP-Generalsekretärin)

Markus @ CVP am 16.10.2017

Sehr geehrte Damen

Sehr geehrte Herren

 

Bislang war es wohltuend zu erleben, dass euer Parteipäsident das Recht auf eine eigene Meinung hat und im Zusammenhang mit der SRG auch Gebrauch davon machte. Mit dem jüngsten Artikel in der NZZ (https://nzzas.nzz.ch/public/pfister-der-srg-ist-nicht-mehr-zu-helfen-ld.1322003) scheint es nun mit der Rede- und Meinungsfreiheit bei den Christdemokraten vorbei zu sein. Gerhard Pfister äussert sich nach eigenen Angaben bis zum Abstimmungstermin nicht mehr zum Thema. Gemäss Medienberichterstattung hat die Partei ihrem Präsidenten einen Maulkorb verpasst.

 

Für uns stellt sich die dringende Frage: Wofür steht heute das C im Parteilogo CVP? Ist es nicht ein christliches Ansinnen, seinen nächsten höher zu achten als sich selbst? Kommt diese Haltung nicht gerade im Zusammenhang mit dem Respekt anders Denkenden gegenüber zum Ausdruck? Gerhard Pfister wirkt sehr authentisch und vertrauenswürdig. Gelten diese Attribute auch für seine Partei?

 

Beste Grüsse

 

Markus Holzer



Markus @ Béatrice Wertli am 23.10.2017

Sehr geehrte Frau Wertli

 

Unten stehende E-Mail haben wir der CVP Parteileitung am 16. Oktober 2017 zugstellt und haben bislang keine Reaktion darauf erhalten. Deshalb erlauben wir uns, Ihnen selbige E-Mail mit der Bitte zuzustellen, diese an die richtige Stelle weiterzuleiten.

 

Vielen Dank und

Beste Grüsse

 

Markus Holzer

 



Beatrice Wertli @ Markus am 24.10.2017

 

Frau Wertli hat mich angerufen und meinte am Telefon, dass heute viel zu wenig miteinander gesprochen und viel zu viele Mails kursieren. Dies war offenbar auch der Grund, weshalb meine erste Mail nicht auffindbar war. Inhaltlich nahm Frau Wertli wie folgt Stellung:

 

Die Partei musste ebenfalls aus den Medien erfahren, dass sie  ihrem Präsidenten Gerhard Pfister angeblich einen Maulkorb verpasst habe. Diesen Vorwurf weist die Parteileitung entschieden zurück und hält fest, dass Herr Pfister eine solche Weisung kaum akzeptieren würde. In der Vergangenheit hat Pfister wiederholt geäussert, dass er sowohl SRG-kritisch als auch ein Gegner der No Billag- Initiative sei. Die CVP hat an ihrem Parteitag auch die entsprechende Nein-Parole ausgegeben.

 

Auf meine Frage, wofür das C der CVP heute steht, erklärte Frau Wertli: «Das C steht für christdemokratisch, das ist der Ursprung der Partei. Mindestens soviel Bedeutung misst die Partei dem V in ihrem Parteilogo bei, weil bei der CVP der Mensch (Volk)  im Zentrum steht.» Was die Definition "Christ" angeht, verweist Frau Wertli darauf, dass der Glaube etwas ganz persönliches ist und nicht direkt mit der Politik vermischt werden sollte. (Anmerkung: Diese Ansicht teile ich, deshalb führe ich in meinem Namen auch kein C). 

 

Durch mein Anschreiben hat Frau Wertli unsere Website besucht und dabei festgestellt, dass wir uns unter anderem mit dem Thema Gesundheitswesen  beschäftigen. Deshalb machte sie mich darauf aufmeksam, dass die CVP am letzten Parteitag der Parteileitung einen entsprechenden Auftrag erteilt hat: 

  1.  Es sind von der CVP alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Einführung einer Kostenbremse im Gesundheitswesen zu erreichen. Unter Beibehaltung der hohen Qualität sind jene Kostenreduktionen zu verwirklichen, jene Fehlanreize zu eliminieren und Übertherapien zu stoppen, die die Ursache der Kostenexplosion sind. Auf diesem Weg ist insbesondere der Mittelstand zu entlasten.
  2. Die Parteileitung der CVP hat dabei alle parlamentarischen sowie ausserparlamentarischen Mittel zu nutzen. Dazu gehört auch eine Volksinitiative.
  3. Sollte sich dieses Anliegen auf dem parlamentarischen Weg nicht in nützlicher Frist verwirklichen lassen, will die CVP vorbereitet sein! Im Fall des Scheiterns unserer Anstrengungen im Parlament wird die Parteileitung deshalb beauftragt, eine entsprechende Volksinitiative zu erarbeiten und zu lancieren.

Kurzum: Kommt es in den nächsten Monaten nicht zu Entscheiden, die kurzfristig die Kosten im Gesundheitswesen senken, wird die CVP Volk und Stände mobilisieren, um Schweizer Familien und den Mittelstand wirksam zu entlasten! 

 

Zusammengefasst darf ich sagen, dass das Gespräch mit Frau Wertlii sehr locker und unkompliziert verlaufen ist und sich beide Seiten darauf verständigt haben, den Dialog aufrecht zu erhalten. Nachdem ich die Pläne der CVP zur Kostensenkung im Gesundheitswesen gelesen habe, dürfte sich dieser Dialog schon sehr bald fortsetzen.