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...Mike Müller (Der Bestatter)

Markus Holzer  @ Mike Müller  am 02.01.2018

Grüezi Herr Mülller

 

Sie schalten sich aktiv in den Abstimmungskampf gegen die Abschaffung der Billag- Zwangsgebühren ein und "drohen" damit, dass es bei einem JA auch keinen "Der Bestatter" mehr gäbe. In Anbetracht der hohen Produktionskosten für eine Folge von "Der Bestatter" drängt sich mir die Frage auf, wieviel denn wohl der Hauptdarsteller der Serie pro Folge verdient? Eine Antwort auf meine Frage erwarte ich eigentlich nicht, bin ich doch nur einer vom Fussvolk, bisher ruhig gestellt und von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, auch Ihr Einkommen zwangsweise mit zu finanzieren. Sie dürfen mich aber gerne überraschen, indem Sie meinem Pessimismus mit einer ehrlichen Antwort begegnen.

 

Beste Grüsse

Markus Holzer, Romanshorn



Mike Müller @ Markus Holzer  am 02.01.2018

Guten Abend Herr Holzer

 

Ich gebe über meinen Lohn keine Auskunft, weil das meine Privatsache ist. Ich bin anständig bezahlt und wäre als freier Schauspieler an sich froh, wenn wir drei grosse Fernsehsender hätten wie in den umliegenden Ländern, das treibt unsere Gagen nämlich in die Höhe. Aber ich fand unanständig hohe Löhne wie bei Jauch oder Gottschalk bei öffentlich-rechtlichen Sendern nie in Ordnung.

Ich unterscheide nicht zwischen Fussvolk und Teppichetage, wenn Sie das meinen. Ich verdiene mein Brot hauptsächlich mit meinen eigenen Theaterproduktionen, die ich ohne Subventionen auf die Beine stelle und meist an Orten spiele, die keine Subventionen habe. Wenn Sie meinen, ich hätte ein Problem mit dem Fussvolk, dann kommen Sie doch mal in eine Vorstellung von mir. Zu mir kommen Leute jeglicher Couleur und aus diversen Schichten, und das ist mir ganz recht. Das ist und bleibt mein Hauptgeschäft. Acht Monate im Jahr arbeite ich als selbstständiger Komiker, bezahle meine Leute anständig und finanziere Produktionen im Voraus. Vier Monate im Jahr arbeite ich als Schauspieler für eine Schweizer Serie. Ich spiele gerne für das Schweizer Publikum und erzähle gerne Schweizer Geschichten. Das geht leider nur mit einer Mediensteuer. Wenn es die nicht mehr gibt, schauen wir noch ausländische Serien. Das ist keine Drohgebärde, sondern ökonomische Wirklichkeit. Die Schweiz geht ohne Schweizer Serien nicht unter. Aber ohne Schweizer Geschichten ist die Schweiz ein Stück ärmer. Ich finde das schade und werde deshalb Nein stimmen.

Ich zahle selber übrigens auch Billag, seit Jahr und Tag, weil ich nie beim Fernsehen angestellt war, sondern mein eigener Herr und Meister sein möchte. Und somit ist mein Lohn meine Sache.

 

Freundliche Grüsse

 

Mike Müller



Markus Holzer  @ Mike Müller  am 03.01.2018

Guten Tag Herr Müller

 

Vorab wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr und viel kreative  Schaffenskraft - mit oder ohne Billag ;-)

Gleichzeitig möchte ich mich für Ihre rasche Antwort bedanken, was ich so nicht erwartet hätte.

 

Selbstverständlich ist es Ihr gutes Recht, Informationen über Ihre Einkünfte zurück zu halten. Wenn Sie meine Mail nochmals lesen werden Sie jedoch erkennen, dass meine Frage nicht pauschal, sondern explizit bezüglich "Der Bestatter" gestellt war. Dass Sie mir in der Folge Auskunft über all Ihre Tätigkeiten geben, war nicht Inhalt meiner Frage. Ich persönlich habe keinerlei Interesse daran zu erfahren, wieviel Sie mit Ihrer Arbeit gesamthaft verdienen. SRF geniesst gerade im treuhänderischen Umgang mit den Gebührengeldern einen ziemlich zweifelhaften Ruf, nicht nur was die unverschämten Gehälter der Teppichetage betrifft. Sie haben sich nun dazu entschieden, Ihre Meinung bezüglich der No Billag Initiative öffentlich zu kommunizieren und mit Ihren plakativen Aussagen Einfluss auf die Abstimmung zu nehmen. Deshalb erachte ich es als angemessen, dass Sie als Profiteur dieser Gebührengelder zumindest auf Anfrage Auskunft darüber geben, wie hoch die Gage des "Luc Conrad" pro Folge bei 719'000 Franken Produktionskosten pro Folge ist. Mit Ihren bedeckten und abschweifenden Aussagen nähren Sie lediglich den Eindruck, dass sich Transparenz negativ auf den Abstimmungskampf auswirken würde.

 

Beste Grüsse

Markus Holzer, Romanshorn



Mike Müller @ Markus Holzer  am 03.01.2018

Guten Morgen Herr Holzer

 

Transparenz ist eine schöne Sache, aber ich bin nicht Anhänger des gläsernen Bürgers.

Mit CHF 720’000.- pro Folge sind wir zwischen zehn und zwanzig Prozent günstiger als vergleichbare Produktionen in unseren Nachbarländern, und das bei Schweizer Löhnen. Die teilweise hohen Gagen, die nun im Zusammenhang mit SRF-Produktionen herumgereicht werden, erstaunen mich nun doch etwas. Es ist doch klar, dass ein Markt mit verschiedenen Playern den Exponenten mehr zahlt als ein Monopolmarkt wie bei uns.

„Der Bestatter“ hat einen Minutenpreis von CHF 12’000.-, der Tatort CHF 18’000.-. Wo andere Wohnmobile zum Ausruhen haben, gibt es bei uns neun Campingstühle aus dem Jumbo und zwei Liegen aus dem Interio. Einfach damit Sie mal einen Vergleich haben.

Bei „Giacobbo/Müller“ mussten wir jede handgeknüpfte Perücke rechtfertigen und uns bei jedem Sketch die günstigste Drehortvariante ausgedacht. Der angeblich zweifelhafte Ruf von SRF, was Produktionsbedingungen angeht, ist ein übles Gerücht.

Ja, ich habe mich auch schon für bessere Bedingungen eingesetzt beim Drehen, ganz einfach weil ich mich nicht inmitten von Schaulustigen oder auf Toiletten umziehen mag. Ist doch irgendwie alles noch auf einem vernünftigen Niveau, finden Sie nicht?

 

Freundliche Grüsse

 

Mike Müller



Markus Holzer  @ Mike Müller  am 03.01.2018

Grüezi nochmals

 

Sie möchten den "gläsernen Bürger" aufhalten? Gut und recht, aber

  1. 1. werden Sie und ich dies nicht aufhalten können
  2. 2. ist dies ein denkbar schlechtes Argument, um die "Gerüchteküche" bezüglich SRF-Wucher zum Schweigen zu bringen.

Anstatt sich hinzustellen und eine einfache Frage ehrlich zu beantworten, betreiben Sie Ihrerseits Schönfärberei und versuchen, das Image von SRF zu retten.

Was das "vernünftige Niveau" betrifft, reicht mir ein Blick ins Studio: Ganz egal, ob es nun die Innenaustattung oder die Garderobe der Moderatoren ist: Für SRF scheint nur das Beste gut genug zu sein. Ich habe noch nie eine/n Moderator/in gesehen, welche/r zweimal dasselbe Kleid getragen hat. Was die Löhne betrifft: Da verdient ein Mitarbeiter in der Admin fast soviel wie ich in der Privatwirtschaft, und dies, obwohl ich die Umsatzverantwortung für ein Verkaufsgebiet trage, welches mehr als 1/4 der Schweiz ausmacht. Bleiben wir also bei den Gehältern - Ihrem Honorar für "Der Bestatter". Und kommen gleichzeitig zum Ende unserer Konversation: Denn es zeichnet sich nicht ab, dass Sie willens sind, hierzu eine verbindlche Aussage zu machen.

 

Alles Gute wünscht Ihnen

 

 

Markus Holzer, Romanshorn



Mike Müller @ Markus Holzer  am 03.01.2018

Lieber Herr Holzer

 

Von „SRF-Wucher“ zu sprechen, ist eine in den Wind hinaus geschossene Behauptung. Ich habe Ihnen ein paar Beispiele genannt, warum hohe Gagen bei uns gar nicht möglich sind.

Und zu den Kleidern: Die werden SRF von den Herstellern praktisch zum Einkaufspreis zur Verfügung gestellt. Ich habe meine Anzüge die letzten Jahre jedoch selber bezahlt, und Viktor und ich haben unsere Sachen auch mehrmals getragen, nämlich so lange, bis die Schnitte aus der Mode waren.

Beim Bestatter habe ich zwei Anzüge pro Staffel. Dieses Jahr waren es vier, weil ich die dicken Stoffe bei 40 Grad im Auto und unter brütender Sonne nicht mehr ausgehalten habe. Diese Anzüge haben wir dann in der Feuerszene in der sechsten Folge „verbraucht“. Die beiden neuen Anzüge werden sauber im Fundus gelagert, damit man sie allenfalls nächsten Sommer wieder verwenden kann oder für andere Produktionen. Hier von Wucher zu sprechen, ist eine Frechheit gegenüber all den Mitarbeitern, die sich verdammt viel Mühe geben, mit den Gebührengelder sorgsam umzugehen.

Das wärs von meiner Seite, Herr Holzer. Und „es zeichnet sich ab“, dass Sie auf kein einziges Argument eingehen, sondern ungeprüfte Vorwürfe raushauen. Viel Spass dabei. Dass mein Lohn meine Privatsache sei, habe ich Ihnen übrigens schon in meiner ersten Antwort geschrieben.

 

Freundliche Grüsse

 

Mike Müller



Für das bessere Verständnis hier noch ein Blick in die von Mike Müller geschilderten Verhältnisse, was die Bekleidung der Mitarbeiter vor der Kamera betrifft. Das verstehen SRG-Insider also unter «Bescheidenheit»?

«Ich habe fertig!»