Gesundheitswesen Schweiz - wie weiter?

Es ist allgemein bekannt, dass die Lebenserwartung von Herr und Frau Schweizer in den letzten Jahrzehten gestiegen ist. Das ist einerseits erfreulich, bietet jedoch auch neue Herausforderungen. Aus Sicht des Gesundheitsministers werden vor allem die "Alten" als Kostentreiber genannt. Doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit.  Bei genauerer Analyse wird klar, dass sowohl der technische Fortschritt wie auch das Anspruchsdenken (aufgrund der intensiveren Behandlungen fallen bei den meisten Menschen im letzten Lebensjahr die höchsten Kosten an) die stärksten Kostentreiber sind.

 

Moderate Prämienerhöhungen - vorerst!

Für das Jahr 2017 wurden den Versicherungsnehmern «moderate Prämienerhöhungen» in Aussicht gestellt. Je nach Versicherer sah die Realität jedoch anders aus: Prämienerhöhungen bis zu 20%! Auch für das kommende Jahr 2018 verspricht Santésuisse einen Anstieg von maximal 5%. Gibt man bei Google den Suchbegriff «Krankenkasse Berset», ein, zeichnet die Suchmaschine für die Versicherungsnehmer ein düsteres Bild: So will unser Gesundheitsminister die wählbaren Franchisen an die Entwicklung der Kostendeckung durch die Grundversicherung anpassen. Nach dem «Prinzip Hoffnung» sollen Versicherte so dazu gebracht werden, mehr Zurückhaltung beim Beanspruchen von medizinischen Leistungen zu üben.

 

Neuorganisation der Prämienregionen

Neben einer Senkung der Prämienrabatte bei Versicherten mit hohen Franchisen (also Menschen, welche keine oder nur geringe Kosten verusachen!) will das Gesundheitsdepartement auch die kantonalen Prämienregionen neu organisieren. Diese Neuorganisation weg von Gemeinden hin zu Bezirken würde dazu führen, dass rund 3 Millionen Versicherte in rund 1'200 ländlichen Gemeinden mehr zahlen und somit die Städter (welche aufgrund der besseren Infrastruktur tendenziell mehr zum Arzt gehen) unberechtigterweise quer subventionieren müssten.

 

Arztkosten treiben Millionen in den Ruin

«Rund eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und jährlich werden etwa 100 Millionen Menschen wegen der Behandlungskosten in die Armut getrieben.» Als Kostentreiber werden insbesondere die Spitapflegekosten sowie  teure Medikamentenpreise genannt. Dies geht aus einem 2010 veröffentlichten Berichts der World Health Organisation WHO hervor. Eine Leserin schrieb damals folgendes: «Auch die Schweiz wird Probleme bekommen, wenn die Gesundheitskosten weiterhin so stark ansteigen. Hinzu kommt die Überalterung der Gesellschaft. Ich weiss nicht, wie lange das noch gut gehen kann. Es kann auf jeden Fall nicht sein, dass die Krankenkassenprämien nun jedes Jahr um 10% ansteigen. Irgendwann können die Leute nicht mehr bezahlen... »

 

Schuldenfalle Krankenversicherung

Ursprünglich sollten die Krankenkassenprämien laut Bundesrat höchstens 8% des Haushaltbudgets ausmachen. Doch die Prämien fresen immer mehr des Budgets weg. Waren die Betroffenen bislang durch Prämienverbilligungen vor einer Verschuldung geschützt, greift dieser Ausgleich heute immer weniger: Unter dem massiven Spardruck kürzen bereits heute viele Kantone die  Prämienverbiligungen und bringen so vor allem Familien mit geringerem Einkommen in arge Bedrängnis. Können diese die Prämien nicht mehr bezahlen, geraten sie nicht nur in die Verschuldung, sondern müssen auch noch mit Leistungskürzungen seitens der Versicherung rechnen. Als Ursache für diesen Spardruck der Kantone muss auch die Zuwanderung genannt werden. Viele "Flüchtlinge" kommen schwerkrank in der Schweiz an. Während der Bund Flüchtlingskontingente beschliesst, bleiben am Ende die Gemeinden und Kantone auf den (Gesundheits)kosten sitzen.

 

Akuter Handlungsbedarf

Aufgrund all dieser Fakten wird klar, dass wir dringend Lösungen brauchen, welche nachhaltig und kostensenkend sind. Am bestehenden Modell herum zu basteln, wird die Kosten nicht senken. Es braucht grundlegende Änderungen, welche auch zu einem grundlegenden Umdenken und damit zu einem für alle gerechteren Gesundheitswesen führen. (mh)

 

 Umfrage

Aktuell sind Sozialhilfebezüger und Menschen im Asylstatus im Gesundheitswesen besser gestelllt als die steuerzahlende Bevölkerung. Deshalb interessiert uns, wie Sie darüber denken und wie Sie die folgende Frage beantworten: