Umgang mit Wistleblowers - Helden oder Verräter?

Seit den Enthüllungen durch Edward Snowden kennen wir ihn - den Begriff «Whistleblower». Wikipedia erklärt: «Ein Whistleblower ist eine Person, die für die Allgemeinheit wichtige Informationen aus einem geheimen oder geschützten Zusammenhang an die Öffentlichkeit bringt.»

 

Mit der Affaire Hildebrand hat der Begriff «Whistleblower» und mit ihm Kantonsrat Hermann Lei Bekanntheit erlangt. Die aufgedeckten Dollartransaktionen des damaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, führten schliesslich zu dessen Rücktritt und einem jahrelangen juristischen Nachspiel.

 

Am 23. August 2017 sprach das Obergericht Hermann Lei in einem der beiden Anklagepunkte frei, reduzierte die Strafe auf einen Drittel des vorinstanzlichen Entscheides und sprach ihm gar eine Entschädigung zu. Gleichzeitig bestrafte das Gericht den Kantonsrat wegen Gehilfenschaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses mit einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à CHF 340 (CHF 13'600). Der ehemalige IT-Mitarbeiter wurde ebenfalls wegen Bankgeheimnisverletzung zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

 

Risiken von «Whistleblowing»

Gerade in der Arbeitswelt ist das Risiko gross, durch  interne Informationen und Abläufe auch Kenntnis von Unregelmässigkeiten oder gar Gesetzesverstössen zu erhalten. Doch die Risiken von «Whistleblowing», also die Weitergabe solcher Informationen an die Justiz ist mit heute geltendem Recht mit ungleich grösseren Risiken verbunden: Verlust des Arbeitsplatzes, Nachteile im Arbeitsmarkt bis hin zu einer Verurteilung sind nur einige der Dinge, welche einem Wistleblower widerfahren können.

 

 

Deshalb fragen wir uns ernsthaft: Müssen die geltenden Gesetze dahingehend geändert werden, damit Whistleblowers auch hierzulande geschützt sind? Oder sollen Menschen, welche ihre Mitmenschen wegen deren Missetaten auffliegen lassen, von Gesetzes wegen bestraft werden? 

 

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Kommentare: 5 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Monika Selimi (Donnerstag, 07 September 2017 12:36)

    Wistleblowers sollten belihnt werden!

  • #2

    Hafner Monique (Donnerstag, 07 September 2017 12:52)

    Wer Zeuge von Unrecht wird, sollte nicht dafür bestraft werden wenn er es meldet. Nie darf ein Mensch der den Mut dazu aufbringt die Wahrheit zu erzählen bestraft werden. Dies sollte belohnt oder zumindest ernst genommen werden. Mit solchen Entscheiden werden die Menschen nur dazu erzogen, vor alles und allem was Unrecht ist, die Augen zu verschliessen. Unsere Gesellschaft ist schon "ich" genug bezogen. Es braucht Menschen wie Herr Lei, die solche Missstände aufdecken und nicht Menschen die es zudecken!

  • #3

    Jaeggi Ruth (Donnerstag, 07 September 2017 20:40)

    Die Schuldigen werden belohnt und die Ehrlichen bestraft. Eine verrückte Schweiz

  • #4

    Heinz Kremsner (Freitag, 08 September 2017 21:44)

    Jemand der eine Sache aufdeckt die Unrecht ist sollte zwar falls er dabei gegen Gesetze verstösst verurteilt werden aber milde, oder was juristisch auch möglich ist, Verurteilung ohne Strafe. Das geht! Ich möchte aber warnen. Es gibt Personen die sich anmassen Wistleblower zu sein aber auf keinen Fall sind. Aktueller Fall der Hermann Lei. Hr Lei ist aktuell ein mehrfach verurteilter Straftäter - verurteilt Gehilfenschaft zur Verletzung des Bankgeheimnisses und Verletzung Anwaltsgeheimnis. Denn Hr Lei hat nix aufgedeckt das von Bedeutung wäre. Die Frau vom NB-Präsidenten hat auf dem gemeinsamen Bankkonto ein Devisengeschäft gemacht. Kein Gesetzesverletzung. Nun besser sie häts nicht gemacht. Es handelt sich um ein leichtes moralisches Vergehen das nur die beiden Ehepartner was angeht. Sonst niemand. Wer was anderes behauptet führt den Begriff Wistleblower ins Bedeutungslose. Ein wahrer Wistleblower ist beispielsweise Rudolf Elmer aber sicher nicht der Hr Lei. Ja klar das Zürcher Obergericht hat Lei eine teilweise Wistleblower-Tätigkeit zugestanden hat aber vergessen und nicht berücksichtigt das gar nichts aufgedeckt wurde.

  • #5

    Markus Holzer (Samstag, 09 September 2017 17:35)

    Lieber Herr Kremner

    Es entbehrt jeglicher Grundlage zu behaupten, dass Hermann Lei jemals den Anspruch geltend gemacht hätte, als Wistleblower bezeichnet werden zu wollen. Vielmehr ist der damalige IT-Mitarbeiter, welcher sich mit den Informationen an den REchtsanwalt gewandt hat, der Wistleblower. Wie wir wissen, wurde auch dieser zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Wenn wir es also genau nehmen, agierte Hermann Lei als Co-Wistleblower.

    Ich persönlich finde es ein starkes Stück von Ihnen, Herrn Lei als mehrfach verurteilten Straftäter zu bezeichnen. Ich an seiner Stelle würde ob solcher Anschuldigungen gar eine Klage gegen Sie in Erwägung ziehen. Sie stehen symbolisch für die zentrale Frage, ob wir es bei Wislteblowing mit einem Täter oder mit einem Helden oder bei geltendem Recht gar mit einem Opfer zu tun haben. Anstatt sich mit den Fakten auseinander zu setzen, stellen Sie die Person, welche das "leichte moralische Vergehen" ans Licht gebracht hat, als Verbrecher hin und stellen sich schützend vor diejenigen, welche sich mit Internas bereichert haben. Wäre das Ganze so harmlos und moralisch vertretbar, hätte Hildebrand wohl kaum Tage später seinen Hut genommen.